OSTLICHES RAJASTHAN
JAIPUR : Jaipur, die Stadt des Sieges, ist chaotisch und verstopft, hat aber immer noch die Angewohnheit, Reisende zu verwohnen. Beeindruckende Bergfestungen und herrliche Palaste zeugen von einer reichen koniglichen Vergangenheit. Turbane wie aus Zuckerwatte gedreht ziehen einen leuchtenden Pfad durch die geschaftigen Basare und strahlende Saris flattern im Wind wie Schmetterlinge.
Als Tor zum Wustenstaat Rajasthan steht Jaipur aber auch unter standiger Belagerung.Pauschaltouristen werden gefesselt von (und abgeladen in) den geschaftigen Basaren, Weltklassehotels und deren leicht klebrigen Raffinesse. Gleichzeitig schieben sich Kamelkarren und Kuhe durch die dieselverpesteten StraBen, wildgewordene Rikschafahrer wuslen zwischen Geschaftseluten und Touristen herum und Strabenkinder betteln vor den groBen Juwelierladen und Palasthotels.
Jaipur strahlt am edelsten im Sonnenuntergang-was man sich auf jeden Fall von Amber aus anschauen sollte. Und ahnlich wie ihr Grunder Jai Singh II.ist auch die Rosa Stadt stolz und unverwustlich.
Geschichte: Die Stadt verdankt ihren Namen,ihre Grundung und Planung dem groBen Krieger und Astronomen Maharadscha Jai Singh II.(1693-1743).1727, als die Macht der Moguln allmahlich schwand, fand Jai Singh,dies sei die richtige Zeit,sein viel zu kleines Hugelfort im benachbarten Amber zu verlassen. Er plante die Stadt,die sie umgebenden Mauern und die rechteckigen Block nach den Prinzipien des Shilpa-Shastra,einer alten Architektur-Abhandlung der Hindus. 1728 baute er das Janter Manter, Jaipurs auBergewohnliches Observatorium.1876 lieB Maharadscha Ram Singh die ganze Stadt in Rosa-der Farbe,die Gastfreundschaft symbolisiert-streichen,um damit den Prince of Wales, den spateren Konig Edward VII.,willkommen wurde -der gegenwartige Maharadscha ist ein guter Polo-Kumpel von Prinz Charles.
Orientierung:Wenn man den ersten Schock erst mal uberwunden hat,ist Jaipur fur Reisende eigentlich recht leicht verdaulich.Die von Basaren durchzogene Altstadt liegt im Nordosten von Jaipur, die neueren Teile reichen in den Suden heruber und der etwas ruhigere Bani Park befindet sic im Westen.
Im neuen Teil der Stadt gibt's drei miteinander verbundene HauptstraBen:die Mirza Ismail (MI) Rd-wo man die meisten Restaurants finden kann-,die Station Rd und die Sansar Chandra Marg. Viele Ziele fur Reisende befinden sich an oder in der Nahe dieser StraBen.
Sehenswetes
ALTSTADT (PINK CITY): Die Altstadt ist teilweise von einer mit Zinnen bewehrten und von Gefechten gezeichneten. Mauer umgeben, und die Haupttore nach Chandpol, Ajmer und Sanganeri wurden behutsam restauriert. Die ganze Stadt zeichnet sich durch genaue Planung aus. StraBen teilen die Pink City in saubere Rechtecke, von denen jedes von einem bestimmten Handwerk dominiert wird. Die wichtigsten Basare heiBen Johari,Tripolia, Bapu und Chandpol. Bei Sonnenuntergang baden alle Gebaude in einem magischen rosa und goldenen Glanz.
Ein praktischer Bezugspunkt im Chaos ist das Iswari Minar Swarga Sal beim Tripolia Gate. Das Minarett wurde vom Sohn Jai Singhs,Iswari,erbaut,der spater lieber Selbstmord beging,als sich der heranrukenden Armee der Marathen entgegenzustellen. Als ultimativer Akt von Rajputen-Loyalitat begingen auf seinem Scheiterhaufen auch 21 Frauen und Konkubinen jauhar. Wer zur Spitze des Minaretts hinaufsteigt, hat einen tollen Blick uber die Altstadt. Der Eingang ist hinten-man folgt der Gasse, die 50 m westlich vom Minarett am Chandpol Baser entlang lauft.
Hawa Mahal: Jaipurs auffalligste Sehenswurdigkeit, der Hawa Mahal ist ein imposantes bienenwabenartiges Gebaude aus rosa Sandstein. Den funfstockigen Bau lieB Maharadscha Sawaj Pratap Singh 1799 errichten,um den Hofdamen die Moglichkeit zu geben, das Leben und Treiben der Stadt zu beobachten.Es ist ein beeindruckendes Beispiel fur rajputische Handwerkskunst und immer noch gut geeignet, Menschen durch die kleinen zerbrochenen Fensterladen zu beobachten.Von hier oben hat man einen herrlichen Blick uber den Jantar Mantar und den City Palace in die eine und den Siredeori Basar in die andere Richtung.
Man betritt den Hawa Mahal von der Ruckseite aus. Um dorthin zu kommen, geht man, wenn man vor dem Hawa Mahal steht, zur Kreuzung links zuruck, biegt nach rechts ab und nimmt dann den ersten Eingang rechts durch den Torbogen.
City Palace: Dieser Palast (2608055; www.royalfamilyjaipur.com Inder/Auslander Erw.35/180 Rs,5-12 Jahre 20/100 Rs, Kamera 50 Rs/kostenlos,Video 100/200 Rs; 9.30-17 Uhr) ist beeindruckend-ein groBer Komplex von Innenhofen,Garten und Gebauden.Die auBere Mauer wurde von Jai Singh gebaut, einige Erweiterungen aber sind neuer und stammen zum Teil aus dem fruhen 20.Jh. Heute ist der Palast eine Mischung aus rajasthanischer und Mogularchitektur.Hinter dem zentralen Innenhof liegt der siebenstockige Chandra Mahal,das Wohnhaus des Maharadschas (fur Besucher nicht zuganglich).
Es gibt zwei Eingange: den Haupteingang durch das Virendra Pol, und den Eingang durch das Udai Pol bei Jaleb Chowk.
Kommt man durch das Virendra Pol, sieht man den Mubarak Mahal (Willkommenspalast),den Empfangsbereich fur Wurdentrager auf Besuch. Im spaten 19.Jh. von Maharadscha Sawai Madho Singh II. erbaut, ist es eine berauschende Kombination aus islamischer,rajputischer und europaischer Architektur. Er beherbergt nun einen Teil des Maharaja Sawai Mansingh II Museums, das eine Sammlung koniglichcer Kostume und herrlicher Schals zeigt, darunter pashminas (Wollschals) aus Kaschmir.Eine bemerkenswerte Ausstellung ist die der Kleidung von Sawai Madho Singh I. Er war knuddelige 1,20 m breit,wog 250 kg und hatte, seiner ausladenden Statur angemessen, 108 Frauen.
Das Arsenal befindet sich in den ehemaligen Wohnraumen der Maharanis (Frauen der Maharadschas). Eintretende Besucher werden von angsteinfloBenden Dolchen willkommen geheiBen. Viele der zeremoniellen Waffen sind ebenso wunderbar graviert und verziert, genau wie die todlichen Waffen.So z.B.die zweischneidigen Dolche,die im Handumdrehen zu Scheren werden im Inneren des Opfers. Wer sich nicht fur blutige Waffenkunst interessiert, sollte sich auf die verspiegelten und goldgeschmuckten Decken konzentrieren.
Im Diwan-i-Am (Halle der offentlichen Audienzen) befinden sich mehrere Ausstellungen, darunter eine beruhrende Sammlung illustrierter Texte,in denen sowohl alltagliche Erlebnisse als auch Gottergeschichten erzahlt werden. Die Miniatur-Abschriften der Hindu-Schriften wurden so klein angelegt, damit man sie gegebenenfalls vor dem Mogulherrscher Aurangzeb verstecken konnte,um sie vor der Zerstorung zu bewahren.Zwischen dem Arsenal und der Kunstgalerie liegt die Diwan-i-Khas (Halle der privaten Audienzen),mit einer marmornen Galerie, in der man riesige,1,60 m hohe silberne Behalter bewundern kann (angeblich die groBten Silberobjekte der Welt).Der tiefglaubige Hindu Maharadschaa Madho Singh II. verwendete die GefaBe,um heiliges Wasser aus dem Ganges nach England zu transportieren.
Die Tore zum Innenhof Pitam Niwas Chowk sollte man nicht verpassen.Sie stellen Fruhling,Sommer,Herbst und Winter dar-und daruber sieht man die herrlichen Basreliefs des Pfauentors.Dahinter befindet sich der Privatpalast, der Chandra Mahal.
Jantar Mantar: Beim City Palace liegt das Jantar Mantar ein Observatorium, das von Jai Singh 1728 begonnen wurde. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Ansammlung von monumentalen bizarren Skulpturen. Wem es noch nicht reicht, das Gefuhl zu haben, mit Alice ins Wunderland abgetaucht zu sein, sollte sich die gefuhrte Tour fur 150 Rs gonnen (30 Min.-1 Std).Die Fuhrer liefern faszinierende Erklarungen daruber,wie die Instrumente arbeiteten,wie Jai Singh-abhangig davon,wo der Schatten aud die riesigen Sonnenuhren fiel-durch Beobachten, Aufschreiben und genaue Berechnung die Zeit maB, und wie er den Verlauf des Jahres durch die Tierkreiszeichen verfolgte. Jede Konstruktion diente einem bestimmten Zweck,z.B.der Berechnung von Sonnenfinsternissen.Das beeindruckendste Werkzeug ist die Sonnenuhr mit ihrem 27 m hohen Gnomon.Der Schatten,den er wirft, bewegt sich pro Stunde bis zu 4 m weit.
CENTRAL MUSEUM: Diese verstaubte, aber unvergessliche Sammlung befindet sich in der spektakular uberladenen Albert Hall sudlich der Altstadt und zeigt eine edle,wenn auch nicht besonders sorgfaltig prasentierte Ansammlung von Stammesgegenstanden, dekorativer Kunst,Kostumen, Zeichnungen und Musikinstrumenten.Das Fotografieren ist verboten.
NAHARGARH: 1734 erbaut und 1868 erweitert, blickt das massige Fort Nahargarh von einer steilen Klippe im Norden uber die Stadt. Eine 8 km lange StraBe verlauft durch die Hugel von Jaipur zum Fort hinauf. Alternativ gibt es noch einen 2 km langen Zickzack-pfad. Man kann einige interessant mobkierte Zimmer anschauen und eine hervorragende Aussicht genieBen.Das Fort ist ein beliebter Picknickplatz an den Wochenenden und perfekt fur einen romantischen Sonnenuntergang.
ROYAL GAITOR: Die koniglichen Kenotaphen gleich auBerhalb der Stadtmauern sind ein ruhiger Ort und wirken immer noch bemerkensert unentdeckt.Umgeben von einem ausgedehnten Dorfchen zeigen die Monumente einige wunderschone komplizierte Reliefs. Der marmorne Kenotaph von Maharadscha Jai Singh II.ist besonders beeindruckend.
Die Kenotaphen der Maharanis von Jaipur liegt auf halbem Weg zwischen Jaipur und Amber.
Galta: Der verfuhrerische Tempel des Sonnengottes von Galta -auch als Affentempel bekannt (die Affen versammeln sich hier bei Sonnenuntergang)-liegt 2,5 km ostlich von Jaipur,direkt hinter dem Surajpol Basar,Zum Tempel geht es durch eine steinige,ode Schlucht 200 m steil bergauf.Die Belohnung ist ein spektakularer Blick uber die umligenden Ebenen, doch der Tempel ist oft voller badender Pilger. Von Zeit zu Zeit wird auf Spenden bestanden. Und weibliche Reisende haben schon berichtet, dass sie sich hier allein sehr unwohl fuhlten,vor allem in den Abendstunden.
Das schone Dhammathali Vipassana Meditaion Centre liegt 3 km vom Zentrum Jaipurs entfernt an der StraBe von Sisodiarni Baug nach Galtaji.Eine Rikscha hin und zuruck kostet etwa 80 Rs.
NOCH MEHR SEHENSWERTES
Die baufallige, zugestaubte Schatzkiste des Museum of Indology ist eine beeindruckende private Sammlung von Volkskunst. Hier gibt's alles, vom handgeschriebenen Manuskript Aurangzebs bis zum Glasbett (fur eine kleine Konigin).Das Museum is ab der J Nehru Marg,sudlich des Central Museum, ausgeschildert.
Noch weiter sudlich liegt das kleine Fort Moti Dungri (J Nehru Marg), das fur die Offentlichkeit geschlossen ist. An seinem FuB steht der moderne Birla-Lakshmi-Narayan-Tempel (JLN Marg; Sonnenaufgang-Sonnenuntergang), mit herrlichen Marmorreliefs.Kostenlose Fuhrer erklaren die Details des Tempels. In der Nahe des Tempels gibt es ein kleines Museum in dem sich die Alltagsgegenstande der bekannten Unternehmerfamilie Birla befinden.
Stadtspaziergang:Man beginnt im Panch Batti, unter der Statue von Maharadscha Sawai Jai Singh.
Nun geht's nach Norden entlang der MI Rd,dann am Gopinath Marg nach links und durch die Stadtmauer.Nun geht man geradeaus zum Khajane Walon Ka Rasta (1),wo wunderbare Marmorarbeiten zu bewundern sind. Am Chandpol Basar rechts abbiegen und dann weiter bis zur Kreuzung von Choti Chauper und Kishanpol Bazaar (2), wo Stoffhandwerker ihre bandhani - (Batik-) und loharia-Stucke (wortlich "Wellen" eine Batik-Technik,mit der man Streifen und Zickzack-Effekte erstellen kann)anbieten.
Hat man den Choti Chauper uberquert,erreicht man den Tripolia Gate (6),der dreibogige Haupteingang zum City Palace,aber nur der Familie des Maharadschas ist es erlaubt, durch seine Tore zu gehen. Der Eingang fur die Offentlichkeit ist links,uber das Atishpol (Stable Gate). Von hier aus kann man den City Palace besuchen (7) den Jantar Mantar (8) und, nordlich des City Palace, den beeindruckenden Govind-Devji-Tempel (9), umgeben von Garten.
Man verlasst das Galande durch den Jalebi Chowk (eventuell nachfragen). Rechts befindet sich der Hawa Mahal (10), und der belebte Siredeori Bazaar. Ein paar Meter entfernt ist ein groBer Platz, Badi Chaupar, weiter sudlich der Johari Bazaar (11), bekannt fur seine Gold-und Silberschmiede.Viele der havelis, die Schatten auf die StraBe werfen,gehoren reichen Baumwollhandlern.
Besonders interessant sind hier die Email-Handwerker,die meenakari.Die glanzenden und komplizierten Arbeiten in allen Schattierungen von Rubinrot,Flaschengrun und Royalblau sind eine Spezialitat Jaipurs.
Wendet man sich vor dem Sanganeri Gate nach rechts,kommt man zum Bapu Bazaar.Weiter westlich liegt dann der Nehru Bazaar (12), der sich zwischen Chaura Rasta und dem Kishanpol Bazaar an der Innenseite der Sudmauer erstreckt. Helle bunte Farben, Kamellederschuhe und Parfum machen diese Gegend besonders bei Frauen beliebt. Am Ende des Nehru Bazaar steht auf der linken Seite das Ajmer Gate. Kommt man aus dem Tor heraus auf die StraBe, sieht man die MI Rd (13) -tolle Resaurants und gutes Jaipur-Feeling. Am besten fur den Sonnenuntergang einplanen, wenn die Gebaude rosa schimmern. Von hier aus nach rechts, dann immer geradeaus,und man zuruck zur Panch Batti Kreuzung.
Shoppen: Jaipur ist ein Einkaufsmekka und die Markte sind voller Kunsthandwerk aus Rajasthan.Man muss handeln, was das Zeug halt, wenn man nicht Wucherpreise zahlen oder leer ausgehen mochte. Die Touristenfallen rund um den City Palace und den Hawa Mahal sind tendenziell teurer. In einigen Geschaften wie dem Regierungskaufhaus und einigen hippen Laden sind die Preise zwar fix, aber gesalzen.
Jaipur ist fur seine Edel-und Halbedelsteine bekannt.Viele Laden locken mit gunstigen Preisen, aber man sollte die Juwelen und die Gauner schon auseinanderhalten konnen. Die meisten Juwelenhandler gibt's im muslimischen Viertel Pahar Ganj.Hier kann man zusehen,wie die Steine in den kleinen Hinterhofwerkstatten geschliffen und poliert werden.Im Johri Bazaar und im Siredeori Bazaar befinden sich viele Juwelenladen, die Gold, Silber und hochglanzende Emailarbeiten,auch bekannt als meenakari,verkaufen.
Die Altstadt ist immer noch grob in traditionelle Handwerkerviertel eingeteilt. Der Bapu Bazaar ist fur Saris und Stoffe zustandig und ein guter Ort um Schmuckstucke zu kaufen.Bei Stoffen findet man eventuell noch ein besseres Angebot am Johri Bazaar, wo sich viele Handler auf Baumwolle spezialisiert haben. Der Kishanpol Bazaar ist fur seine Textilien beruhmt, besonders fur die bandhani. Der Nehru Bazaar verkauft Stoffe, aber auch Jootis (traditionelle spitze Schuhe), Schmuckstucke und Parfum.Die MI Rd ist ebenfalls ein guter Ort um Jootis zu kaufen. Der beste Platz fur Armreifen ist Maniharon Rasta.
Entlang der Amber Rd zwischen dem Zorawar Gate und dem Holiday Inn reihen sich Fabriken und Ausstellungsraume aneinander und lauren Touristen auf. Hier gibt's Gummidrucke, blaue Keramiken,Teppiche und Antiquitaten. Die kauffhauser sind aber an ganze Busladungen mit zahlungswutigen Menschen gewohnt, daher sollte man besser seine Feilschmutze aufhaben.
