KHAJURAHO : Die drei Tempelgruppen von Khajuraho sind mit Kamasutra-Reliefs ubersat.Sie zahlen zu den schonsten Tempelkunstwerken auf diesem Planeten.Auf dem Weg von Agra nach Varanasi werfen viele lediglich einen kurzen Blick auf die sinnlichen Skulpturen.Wer aber langer bleibt, entdeckt einen spirituellen und zugleich modernen Ort, wo man von Yoga bis hin zu Folkloretanzen alles ausprobieren kann.
Geschichte : Der Legende zufolge wurde Khajuraho von Chardravarman gegrundet.Der Sohn des Mondgottes Chandra steig zu einer wunder-schonen Maid hinab,die gerade in einem Bach bedete.Die Tempel gehen auf das Konto der Chanela-Dynastiv.Viele standen ursprunglich in einem See.Nach rund funf Jahrhunderten des Friedens fielen sie dem Angriff der Moguln zum Opfer.Von den 85 Tempeln haben rund 25 bis heute uberlebt.Ein GroBteil entstand zwischen 950 und 1050.Diese Blutezeit war von einer geradezu genialen Kreativitat gepragt.Genauso faszinierend wie die GroBe und Schonheit der Tempe list die Frage,warum sie ausgerechnet hier errichtet wurden.Denn schon damals gab es in Khajuraho und Umgebung nichts sonderlich Schones oder Interessantes,das fur Bauherren von Interesse gewesen sein Konnte.AuBerdem liegen im naheren Umkreis keine groBeren Siedlungen.
Wie gelang es also den Chandelas, ihre berauschenden Traume in Stein zu schlagen? Um so viele Tempel von monumentaler GroBe in nur 100 Jahren entstehen zu lassen,war ein riesiges Heer an Arbeitskraften notig.Wie auch immer die Antwort lautet,die Abgeschiedenheit hat Khajuraho vor den Zerstorungen bewahrt,die muslimische Invasoren an vielen anderen,, Gotzentempeln" anrichteten.
Wegen der afghanischen Bedrohung aus dem Norden verlieBen die Chandelas Khajuraho und flohen in ihre Festungen.Die Menschen beteten woanders, die Tempel wurden verlassen,vom Dschungel uberwuchert und zerfielen.Die Welt nahm keine Notiz mehr von ihnen,bis der britische Offizier T.S. Burt von seinen vier Sanftentragern 1838 zu den Ruinen gefuhrt wurde.Der treue Soldat von Queen Victoria war vom architektonischen Kleinod uberrascht.Doch zugleich schockierte ihn das,was er sah: Die erotischen Darstellungen beschrieb er als ,, etwas zu anzuglich als absolute notig."
TEMPEL : Die Tempel sind Paradebeispiele fur indoarische Architektur.Doch besonders ihre freizugigen Reliefs haben Khajuraho beruhmt gemacht.Die Tempel sind von ausgesprochen kunstvollen Steinmetzarbeiten umgeben.Sie erzahlen Geschichten vom Leben vor 1000 Jahren.Gotter und Gottinnen, Krieger und Musiker, echte und Mythische Tiere spielen darin die Hauptrolle.
Zwei Aspekte wiederholen sich andauernd: Frauen und Sex.Bei den mithunas handelt es sich um Steinfiguren, die in samtlichen Stellungen und Moglichkeiten des Kamasutra ineinander verknotet sind.Ein echter Blickfang-doch der erotische Kontext sollte nicht von der unglaublichen Kunstfertigkeit ablenken, die den Skulpturen zugrunde liegt.Sinnliche surasundaris (himmlische Nymphen), apsaras (tanzende surasundaris) und nayikas (sterbliche Frauen) wurden so in die Mauern gemeiBelt,dass sie gedreht und etwas zur Seite geneigt posieren.Die neckischen Figuren scheinen zu tanzen und aus dem flachen Stein herauszuwirbeln.Ein klassisches Beispiel ist die Waschfrau, an deren Kroper ein Nasser Sari klebt.Dieses Motiv verspruht genauso viel Erotik wie die ganzen Paare, Dreier-und Vierergruppen.
