Goa
Wer noch nie in Goa war, stellt sich wahrscheinlich eine Art indische Costa Brava vor, nur mit mehr kosmischem Karma-und weil Goa dieses Image hat,schworen viele, niemals auch nur einen FuB in diesen Bundesstaat zu setzen.Aber wie die meisten Orte in Indien ist auch Goa anders als erwartet.Mancherprts ist die beruhmt -beruchtigte kifferkultur aus Goas goldener Hippiezeit noch sehr lebendig,andere Gegenden werden vom All-inclu-sive-Pauschaltourismus beherrscht.Das sind aber die beiden Extreme,und jeder, der etwas Zeit hier verbringt,wird feststellen,dass Goa mehr Vielfalt und Lebensfreude bietet als die meisten anderen Orte Indiens.In Panaji (Panjim),einer der kleinsten und liebenswertesten Landeshauptstadte Indiens,kann man statt abgeschotteter Ferienanlagen und Billigschmuck verhokernder Handler mit Dreadlocks eine Schatzkammer im portugiesischen Stil entdecken,voller architektonischer Schmuckstucke,von denen die Farbe schon leicht abblattert, und gewurzt mit indischer Uberschwanglichkeit.Im Landesinneren konnen Traveller auf sattgrunen Feldern Vanilleschoten pflucken oder mit Elefanten baden.
Hauptattraktion von Goa sind naturlich die Strande,die wirklich so schon sind,wie das Klischee erwarten lasst.Genauso sehenswert ist aber Goas faszinierende Verschmelzung des Portugals der Kolonialzeit mit dem modernen Indien.Es gibt kaum einen Ort in Indien,wo die Spuren der ehemaligen Kolonialherrscher noch so deutlich sind wie hier.Daher kommt es gar nicht selten vor, dass an den Wanden Kruzifixe neben Shiva-Posten hangen und Gruppchen alterer mannlicher Einwohner auf Portugiesisch miteinander plaudern.Goa ist vielleicht nicht mehr so cool wie fruher, hat aber sicher nichts von seiner Magie verloren.
Geschichte :Im 3.Jh.v.Chr.war Goa Teil des Maurya-Reichs.Spater wurde es von den Satavahnas von Kolhapur regiert und von 580 bis 750 n.Chr.an die Chalukyas von Badami ubergeben.Goa ist 1312 erstmals von den Muslimen erobert worden,doch die Eindringlinge hatten nicht viel fur den Strand ubrig und zogen 1370 wieder ab,nachdem Harihara I.,Herrscher des Vijayanagar-Reiches,sie mit Gewalt davon uberzeugte,dass das sein musste.Wahrend der nachsten 100 Jahre waren Goas Hafen wichtige Anlegestellen fur Schiffe,die arabische Pferde fur die Vijayanagar-Kavallerie brachten.
Mit seinen breiten Flussen und Naturhafen war Goa aber auch der ideale Standort fur die portugiesischen Seefahrer,die 1510 mit dem Ziel an Land kamen,die Gewurzroute im Osten zu kontrollieren.1542 trafen unter der Fuhrung des heiligen Franz Xaver jesuitische Missionare in Goa ein.Eine Zeit lang war der Einflussbereich der Portugiesen auf ein kleines Gebiet rund um Old Goa beschrankt,doch bis Mitte des 16.Jhs.hatten sie ihre Macht auch auf die Provinzen Bardez und Salcete ausgedehnt.
Ende des 18.Jhs.besiegten die Portugiesen die Marathen,ein in Zentralindien lebender Volksstamm,der zu verschiedenen Zeitpunkten einen GroBteil Indiens beherrschte,fast vollstandig.Wahrend der Napolenischen Kriege in Europa wurde Goa kurz von den Briten besetzt.Doch erst 1961 war die Herrschaft der Portugiesen auf dem Subkontinent mit dem Einmarsch indischer Truppen in Goa endultig beendet.
Heute hat Goa eines der hochsten Prokopf-Einkommen Indiens.Landwirtschaft, Fischfang, Tourismus und Eisenerz-Bergbau bilden die Grundlage der Wirtschaft.
NORD-GOA
PANAJI (PANJIM) : Panaji (auch als Panjim bekannt) ist die Stadt der Farben:Es gibt die pastelligen Nuancen der Gebaude,die romantischen Noten des Mittelmeerraums, die grellen Farben Lateinamerikas und die lauten Schattierungen Indiens.Die Stadt ist auf dem Subkontinent absolute einzigartig,und doch statten die meisten Traveller ihr nur im Anschluss an einen Baderulaub in Goa einen kurzen Besuch ab.Das ist ein groBer Fehler,denn mit ihren schmalen Gassen, die sich durch das ehemalige Portugiesenviertel schlangeln, und dank der groBartigen Lage an der Mundung des breiten Mandovi ist Panaji eines der unbestrittenen Highlights von Goa.Wer viel von Panaji sehen will, sollte mehrere Tage hier verbringen und die Stadt als Ausgangspunkt fur Touren ins nahe gelegene Old Goa und ins zentrale Goa wahlen .
SUD-GOA
MARGAO (MADGAON) : Margao (auch als Madgaon bekannt), die Hauptstadt der Provinz Salcete, ist das bevolkerungsreichste Gebiet Sud-Goas und wahrscheinlich die emsigste Stadt des Staates. Wer gerade aus ,, echten "indischen Stadten angereeist ist, wird als erstes verblufft festellen, wie sauber und aufgeraumt Margao ist. Auch wenn es nicht viel zu sehen oder zu tun gibt, lohnt sich ein Abstecher hierher, um zu erleben, wie das Leben in Goa jenseits der Strande so ist.
COLVA & BENAULIM : Vor gar nicht mal so langer Zeit war Colva nur ein friedliches, kleines Fischerdorf, das fur eine Handvoll Hippies attraktiv war, die von Calangute und seinem Sex-Drugs-and-Rock'n'Roll-Lebensstil genug hatten. Doch wo auch immer die Hippies hingehen-die Touristenmassen folgen. So machte sich schenller, als ein zugedrohnter Hippie gucken kann, der Pauschaltourismus breit und veranderte das Paradies fur immer. Glucklicherweise ist die ErschlieBung hier noch nicht einmal ansatzweise so weit fort-geschritten wie in Calangute-man kann immer noch zusehen, wenn die Fischer morgens ihren Fang an Land bringen.
Colva ist bei indischen Familien und Europaern mittleren Alters gleichermaBen beliebt.Benaulim, 2 km sudlich, ist dagegen nach wie vor ein sehr friedliches Dorf, in dem die meisten Unterkunfte von Familien geleitete Pensionen sind. Ein idealer Ort fur einen langeren Aufenthalt, wenn man auf der Suche nach dem relaxteren Goa ist, doch an beiden Orten sind die Stande ziemlich schmuddelig.
Fahrradleihstellen gibt's beim Busbahnhor von Colva und am Strand von Benaulim. Da hier weniger Menschen anzutreffen sind als an den Stranden des Nordens und die NebenstraBen ziemlich ruhig sind, kommen in Benaulim gelegentlich Raububerfalle vor. Also lieber nicht nachts allein vom Strand heimgehen.
ZENTRAL-GOA
RUND UM PONDA : Die geschaftige Stadt Ponda, im Landesinneren 29 km sudostlich von Panaji, hat einige einzigartige Hindu-Tempel und Gewurzplantagen, genung fur einen interessanten Sightseeing-Tag.
Die Hindu-Tempel mit den fur Goa typischen Lampenturmen sind Rekonstruktionen der von den Portugiesen zerstorten Originale. Der Shiva-Tempel von Shri Manguesh in Priol-Ponda Taluka, 5 km nord-westlich von Ponda, ist einer der schonsten. Der winzige.aus dem 18.Jh. stammende Tempel mit dem weiBen Turm oben auf dem Huge ist ein lokales Wahrzeichen. Ganz in der Nahe steht auch Shri Mahalsa, ein Vishnu-Tempel.
Unter den ubrigen Tempeln ist der Shri-Shantadurga-Tempel 1 km sudostlich vom Stadzentrum der architektonisch interessanteste. Der Shantadurga, der Gottin des Friedens, geweihte Bau, fallt besonders durch seine ungewohnliche, fast pagodenartige Bauweise auf und hat ein Dach, das aus groBen Steinplatten gefertigt wurde.
BONDLA WILDLIFE SANCTUARY : In den Auslaufern der Western Ghats, 52 km von Panaji entfernt,liegt Bondla Goas kleinstes (8 km2 ) und am leichtesten erreichbares Naturreservat.
Damit die Besucher auf jeden Fall Tiere zu Gesicht bekommen, gibt's hier einen botanischen Garten und einen Zoo. Zu den groBen wild lebenden Tieren gehoren Gaur und Sambarhirsche, doch man bekommt eher die kleineren, genauso beeindruckenden Tiere zu Gesicht.
GRUNES GOA : Immer mehr Tourismus, zu hoher Wasserverbrauch und der Bergbau gefahrden Goas Umweit. Reisende konnen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, indem sie beim Duschen Wasser sparen und die wenigen Restaruants besuchen, die Wasseraufbereitungsfilter installiert haben. Abgesehen vom Bergbau und der Wasserverschwendung ist das fur viele Touristen groBte und auffalligste Umweltproblem der Mull und eine allgemeine Nachlassigkeit, wenn es um Goas wertvollsten Besitz, die Stande, geht. Wer in der Nebensaison kommt oder auch am Anfang oder Ende der Hauptsaison,wird an einigen Stranden eine erstaunliche Menge Mull uber den Sand verteilt finden.Es ist schon sehr sonderbar, dass ein Bundesstaat, der von seinen Stranden so abhangig ist, sich nicht ernsthaft darum bemuht, sein wertvollstes Gut in einem Topzustand zu halten. Es stimmt zwar, dass die groBen Strande wahrend der Hauptsaison taglich gesaubert werden, aber das gilt eben nur fur ein paar Wochen im Jahr. Besucher konnen und sollten ihren Teil dazu beitragen, dass die Strande sauber bleiben ( und damit vielleicht sogar helfen, die Einstellung der Menschen zum Strand zu verandern), indem sie die Abfall, den ein anderer wegwirft, aufheben ( und zwar am besten so, dass er es sieht) und ihn ordentlich entsorgen. Es tut auch nicht weh, sich im Hotel uber die Masse an Mull zu beschweren und vorzuschlagen, dass, wenn die kommunvalverwaltung nichts unternimmt, die Fremdenverkehrsindustrie selbst zusammenkommen und eine Aktion zur Sauberung der Strande ins Leben rufen muss. Wurden die Preise in den Hotels und Restaurants nur geringfugig erhoht, konnte mit diesem Geld Personal bezahlt werden, das sich das ganze Jahr uber um die Sauberung der Strande kummert.
RUND UM PALOLEM : Palolem ist der sudlichste aller erschlossenen Strande und war fruher der idyllischste in Goa. Heute hangt es sehr von der eigenen Sichtweise ab, ob man den Ort schon findet. Fur diejenigen, die der Meinung sind, dass ein Strand erst duch eine anstandige Auswahl an preiswerten Restaurants und Hotels, ein gewisses Quantum an Nachtleben und mit vielen Gleichgesinnten vor Ort zum Paradies wird, durfte Palolem noch immer das Nonplusultra sein.Denen, die lieber mehr Platz im Urlaubsparadies haben mochten, als das klaustrophische enge Palolem bietet, durfte hier mulmig werden. Was auch immer man sich wunscht, es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass Palolem alles andere als unerschlossen ist. Die bloBe Anzahl, maroder Campingplatze, die aus dem einst beinahe unberuhrten Dschungel hervorquellen, machen Palolem zu einer Art tropischem Woodstock-mit allen damit verbundenen positiven und negativen Seiten. Im September 2006 schloss die Regierung alle Geschafte und zerstorte alle Gebaude, die nicht lizenziert waren, und danach war Palolem fur eine kurze Zeit ziemlich am Ende. Doch es dauerte nicht lange, bis das Dorf sich berappelt hatte und wieder fest im Sattel saB. Heute ist Palolem wieder die Nummer Eins. Im folgenden sind einige Hotels und Restaurants aufgefuhrt, die eine Lizenz hatten und von den Bulldozern verschont geblieben sind. Aber Achtung: Die Situation kann sich anderen, und es ist ratsam, die Lage vorher zu checken.
Wem Palolem einfach zu viel wird, der findet weiter nordlich an der Kuste den hubschen Butterfly Beach, der mit dem Boot erreichbar ist. An der sudlichen Spitze liegt eine kleine, felsige Bucht, die Colomb Bay. Dort gibt's ein paar einfache Ubernachtungsmoglichkeiten, und dahinter liegt noch ein schooner Sandstrand, Patnem Beach. Hier gibt's eine Handvoll Strandhutten und so was wie eine Brandung.
