PURI : Drei Arten von Besuchern kommen auf der Suche nach spirituellen oder irdischen Genussen nach Puri: Hindu-Pilger, indische Feriengaste und auslandische Touristen. Und alle schlagen ihre Zelte in verschiedenen Teilen der Stadt auf. Fur Hindus gehort Puri zu den heiligsten Pilgerorten Indiens: SchlieBlich vibriert das religiose Leben rund dem den groBartigen Jagannath-Mandir.... und dann gibt's da noch das beruhmte Rath Yatra (Wagenfestival).
Puris andere Attraktion ist der lange Sandstrand mit Promenade-die indische Version eines englischen Seebads. Deshalb gibt's auf der Marine Promenade auch eine lange Reihe von alten Hotels, schrillen Unterkunften und firmeneigenen Ferienhausern, die sofort komplett ausgebucht sind, sobald in Kolkata Ferien sind.
In den 1970er-Jahren war Puri ein Mekka der Hippiebewegung, die sich zu dieser Zeit ihren Weg durch Sudostasien bahnte-an-gezogen vom Meer und vom Bhang, ein in Shivas Puri legales Haschischgetrank. Jetzt kommen die Traveller nur noch hierher, um abzuhangen, sich den Bauch mit gutem Essen vollzuschlagen und ihren Backpacker-Spirit wiederzuerlangen.
Orientierung : Das wilde Leben tobt entlang einiger weniger Kustenkilometer. Es gibt ein Backpackerdorf mit lockerer Atmosphare rund um die Chakra Tirtha (CT) Rd im Osten, die Marine Promenade im Westen und um die Ferienanlagen in der Mitte. Ein paar Hauserblocks landeinwarts liegt das heilige Viertel mit seinem chaotischen StraBengewirr. Busse und Zuge kommen direkt im Stadtzentrum an.
RATY YATRA-DAS WAGENFEST : Eines der groBten Events des Jahres ist in Indien das Rath Yatra, das jeden Juni oder (am zweiten Tag der 14 hellen Tage das Asadha-Monats) in Puri (und an anderen Orten in Orissa) stattfindet: Dann beginnt eine phantastische Prozession am Jagannath-Mandir. Rath Yatra erinnert an Krishnas Reise von Gokul nach Mathura. Jagannath, sein Bruder Balbhadra und seine Schwester Subhadra werden auf drei riesigen, ratha genannten,, Wagen" die Grand Rd entlang zum Gundicha Mandir gezogen.
Jagannaths Hauptwagen (der Ursprung des englischen Worts,, juggernaut" = Lastzug) ist 14 m hoch. Er hat 16 Rader, und jedes hat einen Durchmesser von uber 2 m. In fruheren Jahrhunderten warfen sich die Glaubigen unter die Rader, um unter den Augen des Gottes ruhmvoll zu sterben. Viertausend Tempelangestellte ziehen die Wagen-was enorm anstrengend ist. Wenden oder anhalten ist praktisch unmoglich In Baripada zieht ein reines Frauenteam Subhadra.
Die Gotter haben eine einwochige,, Sommerpause" im Gundicha-Mandir, bevor sie mit der gleichen Prozession wieder zuruck zum Jagannath-Mandir gezogen werden. Nach dem Festival werden die Wagen in Stucke gehackt und als Feuerholz fur die Gemeindekuchen des Tempels oder fur Feuerbestattungen verwendet. Jedes Jahr werden neue Wagen gebaut.
Von Zeit zu Zeit-dem astrologischen Kalender gemaB-werden die Gotter selbst weggeschafft und neue Statuen angefertigt. Die alten finden auf dem Friedhof an der Innenseite des Nordtors zum Jagannath-Mandir ihrer letzte Ruhe.
JAGANNATH-MANDIR : Der machtige Tempe list Jagannath geweiht, dem Herrscher des Universums und Inkarnation Vishnus. Die rebenschwarze Gottheit mit den groBen, runden, weiBen Augen ist in ganz Orissa ungeheuer beliebt. Der von zwei Mauern umgebene Tempel (fur Nicht-Hindus nicht zuganglich) entstand in seiner jetzigen Form im Jahr 1198. Seinen 58 m hohen sikhara (Turm) kronen die Flagge und das Rad Vishnus.
Der Osteingang (auch Loweneingang) wird von zwei Steinlowen und Garuda bewacht. Die Saule mit dem Reittier Vishnus stand fruher im Sonnentempt von Konark.Zu Rath Yatra zieht die Wagenprozession durch den Osteingang. Die Tore zum Suden, Westen und Norden werden von steinernen Mannern bewacht, die auf Pferden, Tigern und Elefanten reiten.
Die zentrale jagamohan (Verammlungshalle) ist das Reich von Jagannath, seinem Bruder Balbhadra und seiner Schwester Subhadra. Die beiden Bruder haben Arme, aber keine Hande, die kleinere Subhadra in ihrer Mitte hat weder Arme noch Hande. Priester schmucken die drei mit Girlanden und kleiden sie wahrend des Tages fur die verschiedenen Zeremonien immer wieder neu ein. Es ist kaum zu glauben, dass der Tempel etwa 6000 Menschen beschaftigt, die die komplizierten Rituale ausfuhren und so die Gotter versorgen. Der Lebensunterhalt von schatzungsweise 20000 Menschen, eingeteilt in 36 Orden und 97 Klassen, hangt von Jagannath ab. Die Tempelkuche mit ihren Kochen ist, so sagt man, die groBte der Welt.
