KONARK : Der majestatische Sonnentempel von Konark-ein Unesco-Weltkulturerbe-gehort wie der Taj Mahal zu Indiens charakteristischen Bauwerken. Die meisten Besucher kommen von Bhubaneswar oder Puri aus nur zu einem Tagesausflug her, aber hier lasst sich's auch gut mal eine Nacht lang entspannen.

Konark lag fruher noch naher an der Kuste, und der Tempel war schon von fern von Meer aus zu erkennen. Die Seeleute nannten ihn ,,Schwarze Pagode" als Kontrast zum weiB getunchten Jagannath-Mandir in Puri.

SONNENTEMPEL : Der massive ist von erhabener Schonheit. Er stammt aus der Mitte des 13. Jhs.-wahrscheinlich hat Narashimhadev I., Konig von Orissa, ihn erbauen lassen, um seinen Sieg uber die Muslime zu feiern. Nach ungefahr drei Jahrunderten traf den Tempel der erste ,, Schicksalsschlag": Im 16.Jh. stahlen plundernde Moguln das Kupfer, das die Kuppel uberspannte. Dieser Vandalismus hat moglicherweise dazu gefuhrt, dass sich der Schlussstein loste und der 40 m hohe sikhara teilweise zusammengesturzt ist. Spater haben Wirbelsturme wohl noch mehr zerstort.

Bis 1837 stand die eine Halfte des sikhara noch -aber 1869 brach er endgultig zusammen ( auf einer I11ustration im Yatri-Nivas-Foyer  ist der Sonnentempel vor 1869 zu sehen-man ahnt, wie prachtig er einst war.) Nach und nach hat Sand den Bau bedeckt, nur der deul und das jagamohan lugten stolz aus ihrem Grabhugel hervor. 1901 begannen Ausgrabungs-und Restaurierungsarbeiten; das jagamohan wurde abgeriegelt und mit Steinen und Sand aufgefullt, damit es nicht einsturzt.

Der ganze Tempel war als kosmischer Wagen des Sonnengotts Surya gedacht. Sieben gewaltige Pferde (sie reprasentieren die Wochentage) baumen sich auf vor Anstrengung, den Steinkoloss auf seinen 24 Steinradern (die Stunden des Tages) zu ziehen, die um den Tempelsockel herum verankert sind. Der Tempel ist so gebaut, dass da Licht des Sonnenaufgangs das innere deul anstrahlt -und damit die dort angebetete Gottheit, die moglicherweise im 17. Jh. nach Puri in den Jagannath-Mandir gebracht wurde.

Der Gajasimha (Haupteingang) wird von zwei steinerenen Lowen bewacht, die Elefanten unter sich zerdrucken. Dahinter liegt die filigran gemeiBelte Nritya mandapa (Tanzhalle). Von hier aus fuhren Stufen, flankiert von angestrengt wirkenden Pferden, zum noch immer vorhanden Jagamohan. Dahinter steht der turmlose Deul. Seine drei stimmungsvollen Surya-Bilder sind aus Chloristein. Sie sind auf den Einfallswinkel der Sonnenstrahlen bei Sonnenaufgang. zur Mittagsstunde und bei Sonnenuntrgang abgestimmt.

Der Sockel und die Mauern zeigen Szenen aus dem Leben Kalingas-ein Bildband vom Leben und der Liebe in einer Abfolge von Steinreliefs. Viele davon enthalten erotische Darstellungen, dafur ist Konark bekannt: sich umschlingende Paare und auch einzelne Exhibitionisten. Manche sind Miniaturdarstellungen auf den Speichen eines Tempelrades, andere uberlebensgroB.

Auf dem Gelande stehen auch der der nicht ganz so wichtige kleine, Mayadevi-Mandir genannte Schrein, ein tiefer, abgedeckter Brunnen und die Ruinen eines Backsteinempels. Im Norden sind ein paar Elefantenstatuen zu sehen, im Suden einige Pferdestatuen. Die Tiere trampeln Soldaten nieder.

Wenn es sich irgendwo lohnt, einen Fuhrer anzuheuern, dann hier. Die Geschichte des Tempels ist ein kompliziertes Gemisch aus Tatsachen und Legenden und die Erlauterungen regen sicherlich zum Nachdenken an. Die Fuhrer machen auch auf Besonderheiten aufmerksam, die man sonst moglicherweise ubersehen hatte-eine Fraumit japanischen Sandalen, eine Giraffe (als Beweis, dass diese Gegend einst mit Afrika Handel tribe) und sogar einen Mann, der seine Geschlechtskrankheit behandelt! Man sollte sich uberzeugen, dass der Fuhrer registriert ist. Es gibt nur 29 Fuhrer in Konark und die Namensliste am Eingang ist immer auf dem neuesten Stand. Fuhrer ohne Lizenz heften sich einem gleich nach der Ankunft an die Fersen.


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