ASSAM : Das faszinierende Assam (Asom, Axom) nimmt das fruchtbare Brahmaputra-Tal ein und ist das am besten zugangliche Kernland des indischen Nordostens. Assams Landschaft bietet im Herbst einen bezaubernden Blick uber endlos scheinende gold-grune Reisfelder mit Palmen-und Bambushainen, wahrend in der Ferne im blaulichen Dunst die Berge den Horizont einnehmen. Zur Abwechslung gibt's prachtige Teeplantagen. Anders als die Teeplantagen Sri Lankas oder Darjeelings sind jene Assams praktisch eben und gewinnen ihren besonderen landschaftlichen Reiz aus dem Schattenspiel der mitten hinein gepflanzten Akazien, die die empfindlichen Teeblatter vor ubermaBiger Sonneneinstrahlung schutzen.
Die Assamesen sehen so aus wie andere Inder, aber ihre Kultur unterscheidet sich, worauf man stolz ist: Der Kult des Neo-Vishnuismus ist praktisch eine Nationalreligion, und das gamosa (ein rotweiB besticktes Tuch, das assamesische Mammer zum Gebet anlegen) ist gewissermaBen das Nationalkostum. Trotz der Ahnlichkeiten zwischen den assamesischen und bengalischen Schriftzeichen ist Assam nicht Bengalen. Tatsachlich ist der Zustrom bengalischer Migranten eines der umstrittensten politischen Themen in Assam. Die Assamesen beklagen schon lange ein deutliches Desinteresse aus Delhi, das ihnen gegenuber eine imperiale Haltung einnimmt und nichts tut, um die Immigration zu hemmen.
Assam ist ethnisch keineswegs einheitlich assamesisch. Vor den Einfallen der Ahom im 13. bis 15. Jh. wurde ein groBer Teil des heutigen Assam von Dimapur aus (das heute ironischerweise Nagaland zugeteilt ist) von einer Kachari-Dimasa-Dynastie regiert. Das Konigreich Chutiaya (Deori-Bodo) war ein wichtiger Machtfaktor im Westen. Diese Tatsache konnte als historisch weniger interessant erscheinen, aber die Volker der Dimasa und Bodo sind nicht einfach verschwunden. Im 20. Jh. fuhrte ein wachsendes ethnisches Selbstbewusstsein dazu, dass diese Gruppen die Assamesen die Bengalen und Indien als Ganzes. Es kam zu einem groBen Aufstand der Bodo, der erst 2004/05 mit der Schaffung eines teilautonomen Bodoland im Nordwesten Assams beigelegt werden konnte. In den Cachar-Hugeln um Haflong setzen die Dimasas den Kampf um Autonomie immer noch fort.
Man sollte sich davon nicht abschrecken lassen: Assam ist ein schones, gastfreundliches und zutiefst zivilisiertes Land, das man schnell lieben lernt. In seinen Nationalparks ist ein bemerkenswerter Artenreichtum zu finden. Auch die Kuche ist zu loben: Sie ist fruchtig, mild und dank eines einzigartigen alkalischen Bananenauszugs namens khar im Sauregehalt voll ausbalanciert.
Assmas wunderschone Reisfelder entfalten vor allem im Oktober ihren samaragdenen Glanz. Die Nationalparks hingegen offnen in aller Regel nicht vor November, und selbst dann sind die fur das Land typischen Nashorner im sehr hohen Gras kaum zu erspahen. Bis Februar ist das Gras verdorrt und die Ebenen haben eine eher triste braune Farbung angenommen.
GUWAHATI : Die Stadt, uber die man am besten in den Nordosten gelangt, ist nicht schon, doch grune, von Tempeln bekronte Hugel ragen neugierig uber den Larm und Smog Guwahatis hinaus. Die kunstlichen Teiche und Ufer der Stadt sind angenhm. Hier lassen sich gut Touren in andere Nordoststaaten planen; danach sollte man weiterziehen.
Geschichte : Guwahati gilt als Statte von Pragjyotishpura, einer halbmythischen Stadt, die vom Asura-Konig Naraka gegrundet wurde. Krishan totete ihn spater wegen eines Paares magischer Ohrringe. Die Stadt war schon vor der Ankunft der Ahoms ein kulturelles Zentrum, spater dann jedoch Schauplatz heftiger Kampfe zwischen den Ahoms und den Moguln. In den 50 Jahren vor 1681 wechselte sie achtmal den Besitzer. Der groBte Teil der Altstadt fiel 1897 einem verheerenden Erdbeben zum Opfer, an das sich eine Reihe gewaltiger Uberschwemmungen anschlossen.
